Denglisch - Brief an die DB AG
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Sehr
geehrte Damen und Herren, nach
dem Pisa-Schock haben sich zahlreiche Institutionen um die Verbesserung
des Bildungsniveaus verdient gemacht. Nicht nur im
mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, sondern auch in den
Fremdsprachen sind unseren Schülerinnen und Schülern ja große Defizite
attestiert worden. Deshalb ist es anerkennenswert, dass die Deutsche Bahn
AG mit dazu beiträgt, die rudimentären Vokabelkenntnisse unserer Schülerschaft
auf Vordermann zu bringen. "Mobility, Networks, Logistics" als
Erläuterung der Aufgabenbereiche Ihres Unternehmens ermöglicht in
beeindruckender Weise kontextgestütztes Vokabellernen und signalisiert
darüber hinaus zukunftsorientierte Weltoffenheit. Auch der Begriff
„Lounge“ kommt doch ganz anders daher als das popelige
„Aufenthaltsraum“ oder gar „Wartesaal“. Ich möchte Sie aber
ermuntern, nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben, sondern Ihre Unterstützung
des außerschulischen Lernens von Fremdsprachen konsequent weiter zu
verfolgen. So könnten Sie beispielsweise auch der im Aussterben
befindlichen Weltsprache Latein den ihr gebührenden Raum zurückerobern
und den Begriff "Triebwagen" in Zukunft durch die schöne
lateinische Bezeichnung "currus libidinis" ersetzen (Produktabkürzung
„CL“). Wenn Sie sich für diese – zugegebenermaßen etwas
konservative - Variante nicht erwärmen können (als ehemaliger
lateingeschädigter Pennäler würde ich dafür schon ein gewisses Maß an
Verständnis aufbringen), sollten Sie sich aber nicht scheuen, den einmal
eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen und mit dazu beitragen, die
langweilige Sprache längst vermoderter Größen wie Goethe und Schiller
durch eine modernere Art der Kommunikation zu ersetzen, indem Sie Ihre
Produkte vollständig in englischer Sprache beschriften. Dann sind Sie nämlich
" heavy on wire" und die deutsche Sprache macht sich "me
nothing you nothing out of the dust". Nicht verstanden? Sehen Sie!
Die Durchdringung der deutschen Sprache durch ein modernes Englisch ist
noch nicht weit genug gediehen. Also - in die Hände spucken und ans Werk!
In diesem Sinne mit
freundlichen Grüßen Christoph
Riedel
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